Die Rheinpfalz Zeitung, Mannheim (Allemagne / Deutschland) on September 13, 2010, Birgitt Scheuermann

Lautlose Schreie – Der Performance- und Tanzabend « Gnadenlos zwei » bei Zeitraumexit in Mannheim

Lautlose Schreie – Der Performance- und Tanzabend « Gnadenlos zwei » bei Zeitraumexit in Mannheim

Zusammen ist man weniger allein? Oder doch eher gnadenlos zu zweit? Wie auch i8mmer: die in der Mannheimer Hafenstrasse bei Zeitraumexit gezeigten Stücke an der Schnittstelle Tanz/Performance sind spannende, zum Teil aufregende Beiträge zum vielfach abgenudelten Thema Paarbeziehung.
Abstoßung und Anziehung liegen immer eng beieinander, scheinen sich sogar gegenseitig zu bedingen bei den beiden ansonsten sehr gegensätzlichen Tanz-Performance-Stücken Romance-s und What they are instead of. Beide Stücke konzentrieren sich ausschliesslich, ja bisweilen besessen auf ein einziges Paar, beide verzichten auf jegliche Ausstattung, Bühnenbilder und sogar auf Musik. In beiden Stücken sind die Partner gleich und sehr zurückhaltend gekleidet: Laurence Yadi und Nicolas Cantillon von der Genfer Compagnie 7273 erscheinen ganz in schwarz, lange Hosen zu langärmeligen Shirts. Gespenstisch hell wirken durch den Kontrast zur dunklen Kleidung und Bühne ihre Gesichter und die Hände, deren Bewegungen – bald offen und einladend, bald schroff ablehnend – das ganze Drama der Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz widerspiegeln.
Verbindendes Element zwischen den Liebespartnern bleibt der intensive Blickkontakt, der fast durchgängig besteht. Er wirkt forschend und durchdringend und richtet sich auf den anderen, als gäbe es sonst nichts auf der Welt. Aus einem gemeinsamen lautlosen Schrei, die Münder sekundenlang weit aufgerissen, entwickeln die beiden eine Art Pas de deux, der sie trennt und vereint, in gegenläufigen Bewegungen voneinander wegstößt oder in paralleler Harmonie schwingen lässt. Fliesend geht das ineinander über, lyrische Bilder des Einsseins der beiden Körper werden zu heftiger Abwehr, ja Kampfgebärden. Momente statischer Stille wechseln mit plötzlich aufflammendenraschen Bewegungsabläufen, die mitunter wie ein Schlagabtausch, ein Kräftemessen mit verschlungenen Ellbogen wirken. Die geschliffene Präzision, mit der diese von den Darstellern selbst erarbeitete Choreografie getanzt ist, und die scheinbar kühle Distanziertheit, mit der jeglicher Gefühlsausdruck vermieden wird und einzig durch die Körperbewegungen zum Ausdruck kommt, macht diese Performance zu einem besonders eindrücklichen Erlebnis. (...)

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